Aktuelles zum Fachgebiet ESMOG
WHO Handbuch zum Dialog über Risiken elektromagnetischer Felder
Die Weltgesundheitsorganisation hat ihr neues Handbuch zum Dialog über Risiken elektromagnetischer Felder herausgegeben. Ziel dieses Handbuches ist es, Entscheidungsträger zu unterstützen, insbesondere im Hinblick auf die öffentliche Debatte, die Unsicherheit auf wissenschaftlicher Seite und die Notwendigkeit, die bestehenden Einrichtungen weiter zu betreiben und/oder für neue Einrichtungen angemessene Standorte zu finden. Das erste Kapitel behandelt „Elektromagnetische Felder und Gesundheit der Bevölkerung: die aktuellen Erkenntnisse“ und enthält eine Zusammenfassung der wissenschaftlichen Forschung. Der zweite Teil befasst sich mit den Aspekten der öffentlichen Wahrnehmung. Schließlich werden Grenzwerte und politische Entscheidungen dargestellt. Das komplette Handbuchs (in englischer Sprache) kann von den Internetseiten der WHO heruntergeladen werden.
http://www.who.int
Freiburger Appell für weniger Strahlenbelastung
Die „Interdisziplinäre Gesellschaft für Umweltmedizin e.V.“ hat in der vergangenen Woche den sogenannten „Freiburger Appell“ veröffentlicht, der von mehr als 100 niedergelassenen Ärzten verabschiedet und unterschrieben wurde. Die Ärzte weisen in dem Appell auf einen aus ihrer Sicht dramatischen Anstieg von Gesundheitsstörungen hin und fordern unter anderem eine massive Reduzierung der Grenzwerte, Sendeleistungen und Funkbelastungen auf ein aus ihrer Sicht vertretbares Mass. Der Appell steht im Internet unter der Adresse http://www.e-smog-nrw.de zur Verfügung.
Gesundheitliche Gefahren beim Mobilfunk
Bei den gesundheitlichen Gefahren der elektromagnetischen Strahlung auf den Organismus, unterscheidet man grundsätzlich die thermischen und die nicht thermischen Wirkungen.

Thermische Wirkungen
Hochfrequente Felder können in den Körper eindringen, die Energie wird dort absorbiert und zu einem großen Teil in Wärme umgewandelt. Eine damit verbundene Temperaturerhöhung im Körper kann zu Störungen des Stoffwechsels, des Nervensystems, der Embryonalentwicklung, zur Bildung spontaner Tumore oder zu "Grauem Star" führen.

Diese Wirkungen sind aber erst nachzuweisen, wenn sich einzelne Körperteile oder das gesamte Körpergewebe um mehr als ein Grad Celsius erwärmen. Eine solche Erwärmung entspricht einer SAR-Rate von 2 W/kg (SAR=spezifische Absorptionsrate in Watt pro Kilogramm Körpermasse).

Nichtthermische Wirkungen
Unter dem Begriff nichtthermische Wirkungen werden alle Effekte zusammengefaßt, die sich nicht direkt auf die Erwärmung des Gewebes zurückführen lassen. Gerade dieser Umstand macht den Nachweis dieser Effekt besonders schwierig. Trotzdem sind im Laufe der letzten 30 Jahre sehr viele Studien veröffentlicht worden, die einen Zusammenhang zwischen elektromagnetischer Strahlung und Gesundheitsschädigungen nachweisen können. Wir werden hier im Einzelnen darauf eingehen und soweit vorhanden die Studien zur Verfügung stellen.
Blutkrebs
Eine australische Forschergruppe fand in einer Langzeitstudie mit transgenen Mäusen ein deutlich erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Blutkrebs, wenn die Tiere zweimal täglich eine halbe Stunde lang gepulsten hochfrequenten Feldern (900 MHz, gepulst 217 Hz = D-Netz) ausgesetzt waren.

Bei dieser Studie wiesen die weißen Blutkörperchen der verwendeten Mäuse das aktivierte Krebsgen pim1 auf. Bei auf dieser Weise manipulierten Tiere ist auch ohne äußere Einflüsse nach 18 Monaten mit einer Krebsrate von etwa 15% zu rechnen.

Innerhalb des 18 monatigen Beobachtungszeitraum traten bei 43% der bestrahlten Mäuse bösartige Erkrankungen des blutbildenden Systems auf. Bei der nicht bestrahlten Kontrollgruppe waren es nur 22%.

Quelle : Repacholi, M.H., Basten, A., Gebski, V., Nooan, D., Finnie, J., Harris, A.W.: Lymphomas in E-pim1 transgenic mice exposed to pulsed 900 MHz electromagnetic fields. Radiation Research 147, 637-640 (1997)

Blutdruck
Bei einer Studie an der Neurologischen Klinik der Universität Freiburg wurden 7 gesunde Männer und 3 gesunde Frauen im Alter zwischen 26 und 36 Jahren hinsichtlich des Einflusses hochfrequenter, elektromagnetischer Strahlung von Mobiltelefonen (GSM 900 MHz, gepulst 217 Hz, 2 Watt = D-Netz) auf Blutdruck, Herzfrequenz, Durchblutung der Blutkapillaren und subjektives Befinden getestet.

Man fand heraus, daß der Blutdruck während der Strahlenbelastung im Liegen im Vergleich zur Plazebo-Situation signifikant um 5 bis 10 mm Hg erhöht war. Unter den körperlichen Belastungssituationen wurden keine Auffälligkeiten registriert. Die Durchblutung der Blutkapillaren war unter Strahlenbelastung durchgängig vermindert. Die Herzfrequenz war sowohl in Ruhe als auch unter Belastung leicht vermindert.

Quelle : Braune, s., Wrocklage, C., Raczeck, J., Gailus, T., Lücking, C.H.: Resting blood pressure increase during exposure to a radio-frequency electomagnetic field. Lancet 351, 1857-1858 (1998)
EEG
Eine Vielzahl von Studien konnte EEG-Störung unter Einfluß von hochfrequenter, gepulster Mikrowellenstrahlung nachweisen :

1973 : Eine US-Wissenschafttlergruppe um Prof. Bawin und Prof. Adey finden einen starken Einfluß von schwach gepulsten Feldern auf das Katzen-EEG.
1975 : Prof. W.Ross Adey vom Hirnforschungszentrum der University of California findet heraus das gepulste Strahlung das EEG verändert und in das zentrale Nervensystem eingreift.
1992 : Dr. Lebrecht von Klitzing, Medizinphysiker der Universität Lübeck, fand bei gepulster Strahlung (217 Hz) ungewöhnliche Peaks im 10-Hertz-Bereich des EEG.

Der Neurobiologe Prof. Dr. Peter Semm von der Uni Frankfurt bestrahlte Zebrafinken mit Handys. Er fand bei Versuchen, daß Nervenzellen auf gepulste Mobilfunkwellen reagieren, auf ungepulste nicht.

Prof. Dr. Norbert Leitgeb von der Uni Graz fand im Zellversuch, daß nur der periodische Puls die Reaktion auslöst.

1994 : Dr. Joachim Röschke und Dr. Klaus Mann von der Universität Mainz fanden eine Veränderung beim Schlafbeginn der Probanden und verkürzte REM-Phasen.

1995 : Dr. Reiser, Dr. Dimpfel und Dr. Schober fanden bei einer von der Telekom gesponserten Studie : "Bei 36 Probanden führte die Strahlung direkt nach dem Einschalten zu EEG-Veränderungen".

1996 : Eine US-Forschergruppe um Dr. J.P.Lebet bestrahlte 52 Probanden jeweils 15 Minuten lang mit gepulsten Mikrowellen, wie sie in der Nähe von Molbifunksendern oder beim Handy-Telefonieren zu finden sind. Die Folge : ein gestörtes EEG.

1998 : Vier Wissenschaftler der Berliner Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit stellten fest : "Wiederholte Messungen zeigten signifikante Einflüsse der elektromagnetischen Felder von handelsüblichen Mobilfunk-Handys auf das menschliche EEG. Das bedeutet : Die gepulsten Mikrowellen verändern die bioelektrischen Gehirnaktivitäten. Auch unter Berücksichtigung vorangegangener Studien über die Wirkung elektromagnetischer Felder auf molekularer, zellularer und organischer Ebene gibt es keinen Zweifel, daß gepulste Mikrowellen, die noch keinen thermischen Effekt auslösen, biologisch wirksam werden können."

Quelle : Baubiologe Maes, Sonderdruck aus Wohnung+Gesundheit Heft 91, 1999
Sonstige Gefahren des Mobilfunk
"Elektronische Geräte reagieren auf hochfrequente Strahlung sehr viel empfindlicher als der Mensch."

Originalzitat aus der Fachinformation "Umwelt und Gesundheit" Mobilfunk des Bayrischen Staatsministeriums für Landesentwicklung und Umweltfragen.
Herzschrittmacher
1994 wurden die ersten Untersuchungen zu möglichen Wechselwirkungen zwischen dem elektromagnetischen Feld von Mobiltelefonen und den elektrischen Impulsen von Herzschrittmachern veröffentlicht. Im Frühjahr 1995 warnte das deutsche Bundesgesundheitsministerium vor Gefahren für Patienten, da Mobiltelefone die Funktion elektrisch gesteuerter Medizingeräte beeinträchtigen könnten.
Mobiltelefone sollten nicht am Körper getragen werden.

Externe elektromagnetische Signale durch Mobiltelefone können bei Herzschrittmachern vor allem zu zwei Arten von Funktionsstörungen führen:

1. Der Herzschrittmacher sendet keinen Impuls an das Herz, obwohl dieser notwendig gewesen wäre, und das Herz schlägt für eine bestimmte Zeit nicht. Es besteht die Gefahr einer Ohnmacht (Synkope). Die Störung ist im allgemeinen allerdings so kurz, daß eine tatsächliche Ohnmacht nicht auftritt.

2. Der Herzschrittmacher sendet einen oder mehrere Impulse an das Herz, obwohl das Herz einen normalen Eigenrhythmus hat und es werden zusätzliche Herzschläge provoziert. Es besteht die Gefahr, daß diese Herzrhythmusstörungen ebenfalls zu sekundären relevanten klinischen Symptomen führen.
Grenzwerte
Die meisten Länder der Welt orientieren sich bei ihren Grenzwertfestlegungen im Hochfrequenzbereich an den Empfehlungen der Internationalen Strahlenschutzkommission für nichtionisierende Strahlung (ICNIRP).

Die aktuellen Empfehlungen der ICNIRP wurden im April 1998 veröffentlicht und unterscheiden sich nur unwesentlich von älteren Empfehlungen. Dabei geht die Grenzwertkonzeption der ICNIRP ausschließlich von akuten, thermischen Effekten aus, die erst bei extrem hohen Feldern, auftreten und bereits seit Jahrzehnten bekannt und unumstritten sind. Der ganze Komplex der nicht-thermischen Wirkungen wird nicht berücksichtigt, der über Dauerwirkungen zu psychischen Beschwerden, z.B. Nervosität, Gereiztheit und Streß führen kann. Weiterhin werden keine Vorsorgewerte oder Minimierungsziele genannt, von denen Impulse ausgehen könnten, um die elektomagnetische Exposition der Menschen tatsächlich zu begrenzen bzw. nicht weiter anwachsen zu lassen.

Auch die Deutsche Elektrosmogverordnung von 1997 (26.BImSchV) richtet sich im Wesentlichen nach diesen Empfehlungen, wobei die deutsche Elktrosmogverordnung, vor allem bei der Zulässigkeit "kurzfristiger" und "kleinräumiger" Grenzwertüberschreitungen noch mehr Spielräume zuläßt.

In den Ländern des ehemaligen Ostblocks bzw. der ehemaligen UdSSR wurden neben den thermischen auch die nicht-thermischen Effekte für die Grenzwertempfehlungen berücksichtigt. Die folgende Beobachtungen waren beispielsweise von Bedeutung. Nach Windogradow (1974,1981,1985) können bereits Intensitäten von 50 W/cm² (2.375 MHz) einen Einfluß auf Immunfunktionen haben. Grabowitz (1975) fand bereits bei Intensitäten von 10W/cm² (2.375 MHz,8Std. täglich, 3 Monate) signifikante Veränderungen der Spurenelementkonzentration des Blutes. In den 80er Jahren wurden Grenzwerte festgelegt, die weit unter den Standards westlicher Industrieländer liegen.

Mitte 1998 hat das Land Salzburg in einer freiwilligen Vereinbarung mit den Mobilfunkbetreibern vereinbart, dass in öffentlich zugänglichen Bereichen ein Maximalwert von 0,001 W/cm² nicht überschritten werden darf.

Am 22.Juni 1998 hat nun die EU-Kommission neue Richtlinien für die öffentliche Exposition durch nicht-ionisierende Strahlung bekanntgegeben. Auch dieser Vorschlag orientiert sich weitestgehend an den ICNIRP-Empfehlungen und ignoriert damit ebenso wie diese Vorsorgeaspekte, nicht-thermische Effekte und Langzeitfolgen elektromagnetischer Felder.

Seit dem 02.01.1999 gelten in Italien neue Grenzwerte für stationäre Sendeanlagen, die mit 0,1 W/cm² mehr als deutlich unter den ICNIRP-Empfehlungen liegen.

Am 01.Februar 2000 trat in der Schweiz eine neue "Verordnung über den Schutz vor nichtionisiserender Strahlung (NISV)" in Kraft. Die Verordnung unterscheidet zwei Typen von Grenzwerten : Gefährdungs- und Anlagengrenzwerte.
Gefährdungsgrenzwerte berücksichtigen die gesamte Strahlung, die an einem Ort vorhanden ist. Diese orientieren sich an den ICNIRP-Empfehlungen.
Anlagegrenzwerte gelten für die Strahlung einer einzelnen Anlage und müssen da eingehalten werden, wo Menschen sich längere Zeit aufhalten, an sog. "Orten mit empfindlicher Nutzung". Das sind vor allem Wohnungen, Schulen und Krankenhäuser.

In China gibt es zwei Grenzwertsysteme für die öffentliche und die berufliche Exposition, eines vom Gesundheitsministerium und eines von der Umweltbehörde. Die Grenzwerte des Gesundheitsministeriums für die Allgemeinheit sollen die strengsten der Welt sein und basieren laut Ministerium auf medizinischen Untersuchungen und epidemiologischen Studien.

Auch in Russland gelten erheblich strengere Grenzwerte als die der ICNIRP-Empfehlungen. Sie stimmen mit denen des chinesischen Gesundheitsministeriums überein.
Grenz- und Vorsorgewerte in W/m²
C-Netz460 MHzungepulst D1/D2-Netz900 MHzgepulst E-Plus/E21800 MHzgepulst
Grenzwerte
DeutscheElektrosmogverordnung1997 (26.BImSchV) 2,3 4,5 9,0
Italien 1999 0,1 0,1 0,1
Schweiz 2000Grenzwert 2,3 4,5 9,0
Schweiz 2000Anlagegrenzwert -- 0,042 0,095
China 1999Gesundheitsministerium
(Dauerbelastung/kurzzeitig)
0,1/0,4 0,1/0,4 0,1/0,4
China 1999Umweltbehörde 0,4 0,4 0,4
Russland 1999 0,1 0,1 0,1
alte osteuropäische Grenzwerte
UdSSR 0,05 0,004-0,005 0,004-0,005
Polen 0,1 0,1 0,1
CSSR 0,24 0,24 0,24
Moskau 1996 0,02 0,02 0,02
Grenzwertempfehlungen
KATALYSE 1994 1 1 1
ICNIRP 1998 2,3 4,5 9,0
Australien/Neuseeland1998 2 2 2
Vorsorgewerte
ECOLOG 1994 0,11 0,22 0,45
BUND 1997 0,00023 0,00045 0,0009
ECOLOG 1998 0,023 0,045 0,09
nova 1998 0,23 0,45 0,9
nova 2000 0,023 0,045 0,095
Freiwillige Vereinbarungen
Land Salzburg 0,001 0,001 0,001
KATALYSE = KATALYSE-Institut, Köln
ECOLOG = ECOLOG-Institut, Hannover
nova = nova-Institut, Hürth
BUND = Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland

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